Jocelyn- Luisa & Darius-Marcus

Zur Erinnerung an unsere Kinder
Jocelyn-Luisa & Darius-Marcus
geb. 08.11.95       geb. 15.11.98
verst. 19.02.96    verst. 27.12.98

Wir sind junge Eltern von 3 Kindern. Unsere Jessica-Lydia ist heute 7 Jahre und der absolute Sonnenschein in unserem Leben. Die Schwangerschaft mit Jessi und die Geburt war uns eine absolut ergreifende Erfahrung. Aufgrund unseres festen Glaubens an Gott, ein Grund zu großer Dankbarkeit.

Für uns stand schon bei unserer Hochzeit vor fast 10 Jahren fest, mehrere Kinder haben zu wollen. Unser 2. Kind sollte Ende Oktober 1995 zur Welt kommen. Unsere Jessi war gerade 20 Monate.

Die Schwangerschaft verlief ohne Probleme, die Befunde waren alle i. O., auch war nichts schlimmes zu erwarten, da unsere Familienanamnese unauffällig ist. Ab der 37 SSW verschlechterte sich zusehends das CTG, was aber noch kein Grund zur Sorge war. Wir stellten uns in unserer erwählten Klinik vor, es wurde ein Doppelultraschall gemacht und ein CTG geschrieben – alles unauffällig! Bis zur 41 SSW gab es keinen Anhalt etwas zu unternehmen, obwohl ich ständig leichte Wehen hatte geschah nichts – was sehr an meinen Nerven zehrte. Dann war das CTG so schlecht, dass die sofortige Einweisung erfolgte. Im Krankenhaus unternahm man erst einmal nichts, da ich keine Wehen hatte und die erste Entbindung noch nicht weit zurücklag. Ich hatte eine nicht enden wollende Nacht durchzustehen. Am Morgen wurde die Geburt eingeleitet. Nach wirklich quälenden Stunden und großer Angst war am 8. Nov. 95 um 13:10 unsere 2. Tochter Jocelyn-Luisa geboren. Sie wog 2740 g und war 51 cm groß.

Sie wurde mir nicht auf die Brust gelegt, da sie sehr erschöpft erschien. sie hatte mehrfach die Nabelschnur um den Hals gewickelt. So kam sie unter Sauerstoff. Welch ein Unterschied zur ersten Geburt!

Die Kinderärztin wurde gerufen und uns wurde nur gesagt, unsere Tochter habe „kleine blaue Flecken“ am Körper, dies müsste abgeklärt werden.

Ich bat darum, mein Kind doch kurz auf den Arm zu bekommen (ich lag noch im Entbindungsbett). Ich sehe heute noch ganz genau ihr kleines Stupsnäschen und spüre ihre zarte Babyhaut. Am Nachmittag war mein Mann und ich bei ihr auf der Kinderstation – sie schlief ganz friedlich und hatte auch zuvor getrunken.

Am nächsten Morgen ging ich wieder zu meiner Tochter, sie war kurz zuvor kollabiert. Sie wurde reanimiert und als ich kam, gerade ein Zugang für den Tropf gelegt. Ich kann meine Gefühle in dieser Situation nur sehr schwer in Worte fassen. In den folgenden Tagen wurden verschiedene Untersuchungen durchgeführt. Das Herz zeigt keine Veränderungen, doch es wurden Gehirnfehlbildungen festgestellt. Unsere Jocy trank, bis auf wenige Ausnahmen, nicht. Sie wurde sondiert. Mein Mann und ich erlernten dies sehr bald und konnten so unser Kind in der uns möglichen Weise pflegen. Wir wickelten und badeten sie. Auch konnten wir als Familie mehrmals mit ihr spazieren gehen. Diese Momente haben wir sehr genossen.

Als Jocy 10 Wochen alt war, erfuhren wir endlich den Grund ihrer Krankheit – sie litt an partieller Trisomie 8. Auf der einen Seite waren wir erleichtert endlich den Grund zu wissen, auf der anderen schockiert, da diese Erkrankung erblich ist. Mit 10%iger Wahrscheinlichkeit tritt dies bei weiteren Schwangerschaften auf.

Jocelyn hatte mehrere schwere Infektionen, die schwer zu behandeln waren, eine Lungenentzündung, ständig unklare Fieberschübe, Erbrechen … . Wir bangten oft um das Leben unseres Kindes. Dann kamen ruhigere Tage, an denen wir Kraft schöpften. Unsere Jocelyn verstarb nach 14 1/2 Wochen am 19.2.96 an einem unbeherrschbarem Fieberschub (bis 42°C).

Wir beerdigten unser Kind am 27.2.96. Es kamen viele Freunde und Familienangehörige mit und mein Schwiegervater sprach einige tröstende Worte.

Es ist sehr schwer, die Trauer, den endlosen Schmerz, später auch die Depression in Worte zu fassen. Wir schöpften unsere Kraft aus Gebeten, aus vielen lieben Briefen, Anrufen und Besuchen von Freunden und unserer Familie. Auch durften wir, trotz all dem Schrecklichen, spüren, dass „die Hand Gottes nie zu kurz ist“. Immer wenn unsere Kraft zu Ende schien, gab er uns neue.

Wir arbeiteten unsere Trauer und das Erlebte weitestgehend auf und steckten uns nach 2 Jahren neue Ziele. Wir entschieden uns, ca. 300 km wegzuziehen, um eine Versammlung unserer Religionsgemeinschaft (der Zeugen Jehovas) zu unterstützen. Als wir in den Vorbereitungen steckten, wurde ich erneut schwanger. Zunächst ein Schock, dann warteten wir die ersten 12 SSW ab, da schon, wie wir erfuhren, ein großer Teil solcher Erberkrankungen als Fehlgeburten enden. Alles war bestens. Wir lehnten bewusst die pränatale Diagnostik ab, die zu einem Schwangerschaftsabbruch Anlass geben würde, da ein solcher für uns nicht in Frage käme.

In der 20. SSW waren wir beim Doppelultraschall. Auch hier war alles i. O. auch Veränderungen, die Jocy hatte, waren nicht da (Jocy hatte z.B. nur 2 Gefäße in der Nabelschnur), auch war unser Sohn sehr mobil. Jessica brauchte sich nur mit ihrem Rücken an meinen Bauch zusetzen und er strampelte ganz toll. Wir freuten uns riesig! Bis zum ersten CTG, war es trotz Ängste, aber vom körperlichen Wohlbefinden – eine traumhaft schöne Schwangerschaft. Das CTG war nicht wie bei unserer gesunden Tochter, aber auch nicht ganz so auffällig wie bei Jocy. Ich hatte furchtbare Angst! Mein Mann machte mir Mut und ging zu den nächsten Terminen mit. Ich sollte ins Krankenhaus eingewiesen werden. Das widerstrebte mir, da bei partieller Trisomie 8 keine Behandlung möglich ist. Ich besprach alles stets mit meiner ambulanten Hebamme, die mich immer wieder aufbaute. Die bei ihr geschriebenen CTG’s waren auch stets besser. Um Klarheit zu bekommen, entschieden wir uns in der 32. SSW doch für eine Fruchtwasserpunktion. Auch mit dem Gedanken, die Schwangerschaft und Geburt natürlich zu beenden.

Nach 2 Wochen das Ergebnis: auch unser Sohn litt an partielle Trisomie 8.

Wir stellten uns wieder beim Chefarzt unserer Klinik vor, der uns noch kannte. Wir teilten ihm die Befunde mit und baten darum die Geburt natürlich verlaufen zu lassen (aufgrund eines solchen Befundes ist dies rechtlich möglich), so lang für mich keine Gefahr besteht.

In der 38. SSW platzte nachts die Fruchtblase. Wir fuhren zur Klinik. Es hatte in dieser Nacht das erste Mal geschneit – alles sah so friedlich aus. Unser Baby war so ruhig. Ich betete im Stillen um Ruhe und Gelassenheit und es möge alles gut werden.

Unser Baby hatte ständig eine andere Lage, so auch jetzt – erlag quer. Zum Glück hatte ich keine Wehen. Die Hebamme machte sich große Sorgen. Ich musste mich auf die linke Körperseite legen, um das Baby zum Drehen zu bewegen. Mein Mann und ich weinten, wir beteten nochmals, dann fuhr er nach Hause um Jessica zur Oma zu bringen. Ich hatte nur ganz leichte Wehen, doch zum großen Glück hatte sich das Baby zur Steißlage gedreht. Meine ambulante Hebamme kam dazu, obwohl es Sonntag war und sie nicht in diesem Haus angestellt ist! Es ging dann alles recht schnell. Mein Mann kam gerade zur Geburt dazu. Am 15.11.1998 war unser Sohn Darius Marcus geboren (2650g, 48cm). Er wurde mir nicht gezeigt, doch beim wegtragen schrie er. Er wurde ins Wärmebett unter Sauerstoff gelegt. Der Kinderarzt wurde gerufen – Der Chefarzt hatte Dienst. Zuvor bekam ich ihn auf die Brust gelegt. Er hatte die gleichen Gesichtszüge wie seine Schwester Jocelyn. Er atmete sehr schwer und sah um die Augen etwas blau aus. Der Kinderarzt untersuchte ihn und sagte, auf den ersten Blick ginge es ihm besser, als Jocy damals. Er hatte eine deutlich bessere Muskelspannung und das nach so einer schweren Geburt. Wir schöpften etwas Hoffnung. Mein Mann ging mit zu zur Kinderstation und blieb bei den Untersuchungen dabei. So wussten wir noch am gleichen Tag, auch Darius hatte schlimme Hirnfehlbildungen, Fingeranomalien, eine Gaumenspalte. Er trank nie. Auch seine Atmung war fehlgesteuert, er bekam unklare Fieberschübe. Jeden Tag war einer bei ihm. Anfangs konnte ich es kaum ertragen.

Nach einigen Tagen ging es mir etwas besser und ich konnte unserem Baby Liebe und Pflege geben. Unser Darius verstarb am 27.12.98, wieder ein Sonntag, an einen unbeherrschbaren Fieberschub.

Wir ließen Darius anonym beerdigen, da wir uns beide nicht in der Lage fühlten, noch eine Beerdigung durchzustehen. Mein Mann brachte Kleidung zum Bestattungsinstitut. Dort wurden wir freundlich behandelt und unser Wunsch wurde akzeptiert. Nach zwei Jahren waren wir das erste Mal am Grab von Darius. Das war besonders für mich sehr wichtig. Jetzt bepflanze ich Jocy´s Grab für beide. Das hat bei der Trauerarbeit enorm geholfen.

Wieder war uns unsere Familie und unsere Freunde eine unbeschreiblich große Stütze. Der Platz fehlt um alles zu erwähnen. Nur einiges: sie begleiten uns ins Krankenhaus, als Darius noch lebte, sie kochten für uns, brachten Körbe voller Obst., sagten uns manchmal nur, dass sie für uns beten würden, wir wurden eingeladen, Freundinnen riefen über Monate jede Woche an, um stundenlang mit mir zu sprechen oder einfach um zuzuhören… .

Jetzt waren 2 unserer 3 Kinder tot. Bis heute ist das oft unfassbar.

Eine meiner großen Sorgen drehte sich um unsere Jessica. Sie hatte doch auch ihre Geschwister verloren. Ich belas mich, um mit ihr den richtigen Weg zu finden, der ihr die Trauer richtig verarbeiten lässt.

Es war für alle ein SEHR schwerer Weg! In der Bibel wird von einem „Tal des Schattens“ gesprochen. Darin sind wir gegangen. Mein Mann und Jessi hatten den Weg heraus schneller gefunden als ich. Jetzt nach fast 3 Jahren kann ich sagen, dass ich mich wieder am Leben erfreuen kann, ohne nur an meine beiden Kinder zu denken. Auch denke ich nicht mit Bitterkeit zurück. Ich bin dankbar für die kurze Zeit, die wir mit unseren Kindern hatten. Die Auferstehungshoffnung der Bibel gibt uns allen heute großen Trost. Zu der von Gott festgesetzten Zeit, wird er unsere Kinder auferwecken, so wie sein Sohn Jesus z.B. Lazerus auferweckte.

Vor einem halben Jahr gaben wir einen Adoptionsantrag ab. Die Zeit wird alles Weitere bringen …

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