Für meine Töchter Abigail und Salome

Still geboren am 1. September 1996

Mein Name ist Hawila. Ich bin Mutter von vier Kindern: Philemon, Abigail, Salome und Lilian. Meine Töchter Abigail und Salome wurden in der 31.Schwangerschaftswoche still geboren. Ich möchte von dieser Schwangerschaft erzählen. Über Erfahrungen, die ich gemacht haben, über meine Wut, Zerrissenheit und die unendliche Trauer. Aber auch über Erfahrungen, die trotz dieses schmerzlichen Verlustes positiv waren und mir in der Trauerarbeit geholfen haben.

Im Jahr 1995 heiratete ich, als wir im darauf folgenden Januar erfuhren, dass unser erstes Kind unterwegs ist, war unsere Freude riesengroß.

Nur wenige Wochen danach wurden wir unsanft auf den Boden der Realität zurückgeholt. Die Schwangerschaft verlief alles andere als komplikationslos. Immer wieder musste ich mit Blutungen und vorzeitigen Wehen ins Krankenhaus. Als unser Sohn Philemon am 28. September 1996 mit 14-tägiger Verspätung geboren wurde, waren wir sehr glücklich. Wir waren eine kleine, junge Familie und unser Sohn machte dieses Glück perfekt.

Ich stillte unseren Sohn ausschließlich. Nach 6 Monaten besorgte ich mir einen Termin bei meiner Frauenärztin, ich wollte mir die Pille verschreiben lassen. Die Überraschung kam beim Ultraschall. „Wissen Sie was ich hier sehe?“ rief meine Frauenärztin. Schwanger, dachte ich wie vom Donner gerührt. Doch der Hammer kam erst noch. Es waren Zwillinge.

Es hat eine ganze Weile gedauert, bis mein Mann und ich uns mit dem Gedanken anfreunden konnten, bald drei Kinder zu haben Aber schließlich siegte am Ende doch die Freude über den ungeplanten Nachwuchs. Die Schwangerschaft verlief problemlos. Ich stellte mich öfter als bei meiner ersten Schwangerschaft zur Risiko- Beratung im Krankenhaus vor, aber es wurde uns immer wieder bestätigt, dass beide Kinder gesund sind. Am 28. August war ich wieder zur Doppler-Sonographie im Krankenhaus. Auch bei dieser Untersuchung sagten mir die Ärzte, dass alles in bester Ordnung sei und wir erfuhren, dass unsere Zwillinge Mädchen waren.

Am 30. August war ich bei meiner behandelnden Gynäkologin. Beim CTG sagte man mir, dass irgendetwas nicht in Ordnung ist. Meine Gynäkologin bot mir an, einen Rettungswagen zu rufen, der mich sofort ins nächste Krankenhaus bringen könne. Da mir niemand sagte, was genau nicht in Ordnung ist, rief ich meinen Mann an und fuhr mit ihm gemeinsam in das Krankenhaus, in dem unsere Zwillinge zur Welt kommen sollten. Während ich auf ihn wartete, wurde mir langsam klar, dass ich vielleicht meine Kinder verlieren könnte. Ich verbot mir diesen Gedanken jedoch sofort wieder. Außerdem war ich mir sicher, dass meine Gynäkologin mir die Wahrheit gesagt hätte, wenn es so ernst um die Kinder stünde. In diesem Moment betete ich und gab meine Sorgen an Gott ab, so konnte ich etwas beruhigt ins Krankenhaus fahren.

In der Entbindungsklinik angekommen, war ich unheimlich erleichtert, dass „meine“ Hebamme Dienst hatte. Wir wurden sehr freundlich empfangen, aber der Freundlichkeit wich Entsetzen, nachdem ein Ultraschall gemacht worden war. Die Gesichter der Ärzte sprachen Bände. Noch ehe auch nur einer etwas sagte, sah ich es selbst auf dem Bildschirm des Ultraschallgerätes. Und dann der Satz, der mich ein Leben lang verfolgen wird: „Es tut uns so leid, aber wir können keine Herztöne mehr feststellen.“ Der Schock, den diese Nachricht mit sich brachte, ließ mich einige Sekunden erstarren. Und dann schossen die Gedanken in meinen Kopf. „Nein. Nicht meine Kinder. Ein Irrtum. Und jetzt? Wie weiter?“ und immer wieder die eine Frage “ Warum? “

Mein Mann brach als erster das Schweigen. “ Und wie geht es jetzt weiter?“ fragte er. Die Ärzte erklärten, dass sie die Geburt einleiten wollen, so dass mir die Möglichkeit gegeben werden kann, eine natürliche und normale Geburt zu erleben. Allerdings wiesen sie auch darauf hin, dass dies alles noch 4-6 Tage dauern könne.

Ich hatte Angst, nur noch Angst. Vier, vielleicht sechs Tage mit zwei toten Kindern in meinem Bauch – nein, das würde ich nicht aushalten. Ich konnte nicht mehr denken, nur noch weinen. Ich sah alles wie durch einen Nebelschleier, wünschte mir, einen Albtraum zu haben, aus dem ich endlich aufwachen möge.

Ganz behutsam führte man uns in ein Zimmer, in dem wir für eine halbe Stunde allein sein konnten. Wir fielen uns in die Arme und weinten. Wir konnten kaum sprechen, aber die Nähe zueinander tat uns beiden unheimlich gut und half, die Starre langsam zu lösen. In dieser Stunde versprachen wir uns, noch ein Kind haben zu wollen. Aber wir beteten auch. Wir baten um Halt und Zuversicht für die kommenden Tage und um Verständnis und Akzeptanz für den Tod unserer Mädchen.

Nach diesen Minuten der Zweisamkeit wurde mein Mann gebeten, alle notwendigen Formalitäten zu erledigen und ich wurde von einer Hebamme auf die Station begleitet. Sie nahm sich sehr viel Zeit für mich und gab mir den Rat, alle Entscheidungen reichlich zu überdenken und mir Zeit für meine Kinder zu nehmen. Sie nach der Geburt in den Armen zu halten und mich von ihnen zu verabschieden. Diese Ratschläge waren zwar sachlich, aber sie gaben mir trotzdem Halt in dieser schrecklichen Situation. Waren sie doch nicht von Hilflosigkeit geprägt, sondern voller Wärme und Verständnis. Ich habe alle diese Ratschläge befolgt und sie haben mir in der anschließenden Trauerarbeit sehr geholfen. Auf der gynäkologischen Station wurde ich von einer Schwester empfangen, die mich einfach nur in den Arm nahm. Diese mütterliche Geste, die so viel Anteilnahme und Geborgenheit ausdrückte, ließ mich langsam ruhiger werden. Meinem Wunsch, nicht in ein Einzelzimmer zu müssen, wurde ohne viele Worte entsprochen und ich fand mich neben zwei Frauen wieder, die unheilbar krank waren. Eine ganze Weile schwieg ich, aber auf einmal brach ich in Tränen aus und erzählte vom Tod unserer Kinder. Die aufrichtige Anteilnahme an meinem Schicksal hat mich tief berührt. Sie, die sie selbst um ihr Leben kämpften, versuchten mir Trost zu spenden. Auch in dieser Situation fand ich im Gebet innere Ruhe, so dass ich an diesem Abend ohne Beruhigungsmittel einschlafen konnte.

Als ich am nächsten Morgen erwachte, merkte ich, dass ich an meinem absoluten Tiefpunkt angelangt war. Ich hatte einen „dicken Bauch“ aber meine Kinder waren tot. Einerseits wollte ich, dass alles so schnell wie möglich vorbei ginge, aber andererseits wusste ich, dass ich noch nicht bereit war, meine Kinder loszulassen. Diese innere Zerrissenheit verstärkte sich noch, als ich erste Wehen verspürte. Aber trotz Prostaglandintablette und einem Entspannungsbad ging die Geburt nicht voran. Und als ich an diesem Abend ins Bett ging, dachte ich, „das hältst du keinen weiteren Tag aus“.

Als ich am Sonntagmorgen aufwachte, merkte ich, dass die Geburt unserer Kinder unmittelbar bevorstand. Ich wurde in das so genannte Vorwehenzimmer gebracht und rief meinen Mann an. Er wollte bei der Geburt unserer Töchter dabei sein. Die Wehen wurden immer unregelmäßiger – mein Innerstes wehrte sich immer mehr gegen die Geburt, war doch das Begrüßen gleichzeitig ein Abschiednehmen. Mein Mann – der inzwischen eingetroffen war – und ich, versuchten die Stunden der Wehen und der Geburt so intensiv wie möglich zu erleben, waren es doch die letzten Momente, die uns mit unseren Kindern blieben. Aus diesem Grund habe ich auch die mir von der Ärztin angebotene Narkose abgelehnt. Ich wollte wach bleiben und meine Kinder in den Arm nehmen. Und so war es dann auch. Um 8.40 Uhr wurde Abigail geboren und nach weiteren 15 Minuten ihre Schwester Salome.

Die Hebamme wickelte unsere Mädchen in Tücher und legte sie uns aufs Bett. So saßen wir nun, ich weiß nicht mehr wie lange, und betrachteten unsere kleinen Töchter. Sie sahen so niedlich aus mit ihren schwarzen Haaren und ich hatte das Gefühl, als schliefen sie nur ganz fest. Wir übergaben Sie in Gottes Hände auch wenn das unheimlich schwer fiel.

Nichts hätte ich mir in diesem Moment sehnlicher gewünscht, als dass sie die Augen aufschlügen und anfangen würden zu schreien. Aber wir mussten der Realität ins Auge schauen. Es war Zeit, Abschied zu nehmen. Liebevoll deckten wir unsere Kinder zu und gaben sie der Hebamme, nicht ohne ihnen ein letztes Mal zu sagen, wie sehr wir sie liebten und wie willkommen sie uns waren.

In der Klinik war man sehr um mich bemüht, und half mir, die ersten Tage ohne meine Kinder so gut wie möglich zu überstehen. Da die Ärzte die Ursache für den Tod unserer Kinder herausgefunden hatten, lehnten wir eine pathologische Untersuchung ab. Meinem Wunsch, so schnell wie möglich nach Hause entlassen zu werden, entsprach man schon nach wenigen Tagen.

Die Geburt unserer Töchter war für mich ein sehr intensives Erlebnis. Dass ich heute ohne Schmerz und Bitterkeit daran zurückdenken kann, ist sicher auch ein Verdienst der Ärzte, Schwestern und Hebammen des Krankenhauses. Sie haben mich nicht nur fachkompetent und professionell betreut, sondern mir auch viel Geborgenheit, Wärme und Nähe in den vielleicht schwersten Stunden meines Lebens gegeben. Dafür bin ich ihnen heute noch sehr dankbar. Unsere Töchter Abigail und Salome, am 1. September 1996 geboren, wurden am 6. September beerdigt. Viele Freunde und Verwandte waren gekommen, um mit uns noch einmal Abschied von unseren Töchtern zu nehmen.

Die Beerdigung war ein schmerzvoller, aber wichtiger Schritt in der Trauerarbeit. Ich bin froh, dass ich heute einen Platz habe, den ich mit meinen Kindern verbinden kann und ihnen nahe bin. Am wichtigsten aber erscheint mir heute, dass mein Mann immer für mich da war. Wir konnten gemeinsam um unsere Kinder weinen und wenn es mir schlecht ging und ich mit meiner Verzweiflung nicht wusste wohin, hat er mich aufgefangen. Er hat immer versucht, mir Trost zu sein und mir einen sicheren Halt zu geben. Den größten Halt fand ich aber im Glauben und damit verbunden im Gebet. Bei Gott konnte ich alle Zweifel, Wut, Trauer und Schmerz lassen und die Ruhe finden um meine Kinder zu trauern um ohne sie weiterleben zu können.

Auch heute, nach über drei Jahren, schmerzt mich der Verlust unserer Kinder noch sehr. Aber ich habe gelernt mit diesem Schmerz und meiner Trauer umzugehen und zu leben. Wenn ich heute an Abigail und Salome denke, dann bin ich dankbar für die Zeit, die ich mit ihnen haben durfte. Wir werden unsere kleinen Töchter nie vergessen. Sie werden immer in unseren Herzen sein.

Ein Jahr nach der stillen Geburt unserer Zwillinge, wurde unsere Tochter Lilian geboren.
Zur Erinnerung an ihre Schwestern erhielt sie den Namen Lilian Abigail Salome.
Hawila 1999

„Es gibt schlimmeres! ….“

Ich bin schwanger! Das war so ein Gedanke der mir gar nicht behagte, und doch wusste ich, dass ich „mein“ Kind nie und nimmer hergeben würde.

Als ich an diesem Tag von meinem Frauenarzt nach Haus fuhr hatte ich etwas Angst. Wie würde mein Mann reagieren? Überschwängliche Freude konnte ich wohl nicht von ihm erwarten, war mir doch selbst nicht nach Freude zumute. Und außerdem waren da noch Philemon, Abigail, Salome und Lilian und der Tod unserer Zwillinge Abigail und Salome. Als ich dann am Abend meinem Mann diese Neuigkeit eröffnete, war der nur geschockt und sagte: „…hoffentlich sind es keine Zwillinge…“ Das wiederum brachte mich fast aus der Fassung.

Die nächsten 2 / 3 Tage redeten wir nur wenig miteinander und wenn uns unser Glaube schon durch so manch schwierige Situation getragen hat, so viel es mir doch schwer dieses Kind anzunehmen.

Von Tag zu Tag hatte ich immer mehr das Verlangen mit meinem Kind zu sprechen, langsam nur langsam war es uns gelungen das heranwachsende neue Familienmitglied mit Freude zu empfangen. In mir wurzelte immer mehr dieses Gefühl bei meinem Kind um Verzeihung für die anfängliche Ablehnung und die vielen unguten Gedanken zu bitten. An einem Abend, wir hatten uns gerade mal wieder ausgemalt wie das wohl mit unserem Kind so sein würde, merkte ich das irgendetwas nicht stimmte. Angst stieg in mir auf, war etwas mit unserem Kind nicht in Ordnung. Mir wurde auf einmal so schlecht. Ich ging auf Toilette und das, was mich da erwartete bestätigte meine Befürchtungen – Blut – helles frisches Blut, ich dachte vielleicht ist es nur eine kleine Blutung, das kannte ich aus meiner ersten Schwangerschaft. Ich versuchte mich zu beruhigen und ging ins Bett. Ich wollte schlafen doch es stieg immer wieder Verzagen und Zerrissenheit in mir auf doch auch als die Blutung aufgehört hatte wollte keine rechte Ruhe in mich zurückkehren. Mitten in der Nacht wachte ich auf und hatte wieder das Gefühl zu bluten. Ich lag einfach nur da und sprach zu meinem Kind; “ … bitte bleib da, ich freu mich doch so auf dich…“ In der nächsten Stunde wurde mir aber dann bitterlich bewusst, dass ich gerade eine Fehlgeburt durchlebte, ich hatte nur noch Schmerzen, im Bauch und schlimmer noch in der Seele. Mir war übel und eigentlich wünschte ich mir nur zu träumen. Ich machte mir Vorwürfe unser Kind nicht liebevoller empfangen zu haben. Ich redete mir Schuldgefühle ein, dass ich mit meiner negativen Einstellung ein Hindernis für die gesunde Entwicklung unseres Kindes gewesen sein könnte, ich konnte einfach nicht mehr schlafen. Ich grübelte, warum ich warum schon wieder ich. Ich war erst in der 7 Woche aber ich wollte nicht verstehen, dass es so schnell vorbei sein kann. Ich war auf einmal auch wütend darauf, dass ich nicht noch länger das Gefühl gehabt habe schwanger gewesen zu sein, so wie bei unseren Zwillingen, da waren die 31 SSW nicht zu leugnen. Aber jetzt, niemand wusste dass ich schwanger war und mit einer etwas stärkeren Blutung war ja nun alles vorbei und morgen wird das Leben einfach wieder weitergehen. Mein Mann war sehr betroffen als ich ihm am Morgen sagte dass ich unser Kind verloren hatte. Am Morgen hatte ich das Gefühl, dass mich wohl niemand verstehen würde wenn ich weine und warum ich so traurig bin, also beschloss ich mit niemanden außer meinem Mann mehr darüber zu reden. Und der Gedanke, dass mir eh niemand helfen konnte und schon gar nicht verstehen, ließ mich nicht mehr los. Ich machte meinem Körper Vorwürfe warum ich schon wieder ein Kind hergeben musste. Als ich an diesem Morgen dann meinen Gynäkologen anrief, riet der mir trotzdem eine Ausschabung machen zu lassen. Nun musste ich aber ins Krankenhaus, weil ambulant so schnell keine Möglichkeit bestand.

Nun mussten also doch einige von meiner unglücklichen Schwangerschaft erfahren, denn unsere Kinder wollten während des zweitägigen Krankenhausaufenthaltes versorgt sein. Und doch nahm niemand so richtig Notiz von dem was mir wieder fahren war. Immer schön nach dem Motto:

„… der Tod deiner Zwillinge war doch viel schlimmer, da schaffst du das auch …“.

Mich machte das wütend, was hatten unsere Zwillinge mit dieser Fehlgeburt zu tun!

In der Klinik wurde ich sehr liebevoll behandelt, ich konnte meine Selbstzweifel loswerden, auch schaffte ich es endlich wieder zu beten. Ich bekam das Gefühl vermittelt, dass es nicht unwichtig war was mir da passiert ist. Als ich dann OP – fertig gemacht wurde kamen mir zum ersten mal die Tränen, jetzt war es Gewissheit ich musste Abschied nehmen. Obwohl ich wusste da unser Kind schon vor 2 Tagen verstorben war, redete ich ein letztes mal mit IHM.

Als ich später aus der Narkose aufwachte fühlte ich mich einfach nur leer, wie „ausgekotzt“, einfach Gefühle, die man nicht beschreiben kann.

Mein Mann fing mich in dieser Zeit wieder einmal auf, wir sprachen sehr viel miteinander und nahmen uns sehr viel Zeit einander zu zuhören. Mein Mann erzählte mir, dass er sich ebenfalls große Vorwürfe machen würde, weil er so ablehnend und ungerecht dem Kind gegenüber gewesen war.

In den ersten Wochen nach der Fehlgeburt habe ich mir immer eingeredet, dass das alles nicht so schlimm ist, weil ich ja eigentlich schon schlimmeres erlebt habe. Ich nahm das was von der Umwelt immer wieder gesagt wurde so tief in mich auf, dass ich schon selbst daran glaubte.

Wir haben uns dazu entschlossen, keine weiteren Kinder haben zu wollen. Auch haben wir in der Öffentlichkeit, also bei Bekannten und Verwandten nie über das Erlebte und unser fünftes Kind gesprochen, wohl weil eh alle der Meinung waren es gibt schlimmeres und weil ich es mir inzwischen selbst eingeredet hatte. Es ist zu meinem kleinen Geheimnis geworden.

Jetzt da ich diese Zeilen geschrieben habe musste ich nach nun zwei Jahren erkennen wie dumm ich doch eigentlich war, mir einreden zu lassen, dass eine Fehlgeburt nichts Trauernswertes ist. Wir haben schon getrauert aber eher heimlich. Erst jetzt nach 2 Jahren kann ich sagen es ist gut. Sicher kann ich meine Fehlgeburt nicht der stillen Geburt unsere Zwillinge gegenübersetzen, weil beides nichts miteinander zu tun hat, es sind beides Verluste, die unterschiedliche Trauer hervorrufen, die auch unterschiedlich intensiv erlebt und verarbeitet werden muss. Ich habe es geschafft, diese unverarbeitete Trauer wieder aus der Schublade zu nehmen und mich ihr zu stellen. Das ist für mich sehr wichtig gewesen, weil dies mich dazu bereit gemacht hat das Erlebte niederzuschreiben und andere Betroffene an meinem kleinen Geheimnis teilhaben zu lassen.

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